Stucki Thea

Ich heisse Thea, bin 11 Jahre alt, gehe in die fünfte Klasse und wohne im Berner Seeland in einem kleinen Bauerndorf. Unsere Familie wohnt in einem alten umgebauten Bauernhaus. Zur Familie gehören meine Eltern Marcel und Regina und mein Bruder Noah, die Katzen Lore und Jean-Claude, die Hühner Lona, Lina und Loni und ihr Güggel, der Leonardo O’Higgins; und dann natürlich unsere zwei Mulis. Die Mulis haben wir schon lange, das heisst meine Mama hat sie schon lange, der Papa ist nur halb begeistert von Ihnen.

Noirette, so heisst unser jüngeres Maultier, ist 14 Jahre alt, sie kommt ursprünglich aus dem Süden Europas und ich finde sie wunderschön. Gemeinsam mit meiner Freundin Lena und unseren beiden Müttern war ich 2006 mit Noirette auf meinem ersten mehrtägigen Trekking, das uns über den Chasseral führte.

Noirette ist ein vorsichtiges Muli, sie traut nicht allen und allem, sie ist auch das einzige Muli, das ich kenne, das immer schön gemütlich frisst und dabei auch mal eine Pause macht. 

Eloise - sie wurde vor vielen Jahren von Marco Gentinetta aus Frankreich in die Schweiz geholt, sie ist etwa 22 Jahre alt. Sie ist mein Lieblingsmuli. Wir verstehen uns sehr gut und haben schon viel zusammen erlebt. Bereits mehrmals durften wir zusammen an der BEA dabei sein, das macht mir immer ganz viel Spass, Lena ist mit August jeweils auch dabei.

Eloise hat ganz weiche Gänge, sie kann auch im Pass laufen. Sie ist ganz fein zu dirigieren, reisst wirklich nie am Zügel (ausser wenn es am Wegrand einen saftigen Grasbüschel hat). Was sie überhaupt nicht mag, ist in einer Gruppe mit fremden Pferden oder Mulis zu sein. Dann fängt sie plötzlich ganz wild an zu bocken, das sieht sehr imposant aus. Ich weiss, dass sie, bevor sie zu uns kam, schon bei anderen Leuten war, die sie alle wieder an Marco zurück gegeben haben, weil sie die Reiter und Reiterinnen ratzeputz runtergeschmissen hat. Ich bin erst einmal runtergefallen, in einer Reithalle, dafür aber so richtig flach auf den Bauch geplatscht, das tat ziemlich weh. Mama sagt immer, dass Eloise zu mir viel netter ist als zu ihr, auch streckt sie die Ohren weniger nach hinten bei mir. Wir mögen uns eben sehr gut!

Vergangene Weihnachten bekam ich mein bisher tollstes Weihnachtsgeschenk. Mama schenkte mir Eloise, nun bin ich also Mulibesitzerin. 

An zwei Tagen pro Woche habe ich Stalldienst, Montag und Freitag, das sind zwei von Reginas Arbeitstagen, da ist sie froh, wenn ich füttere und miste. Unsere Mulis kriegen vier Mahlzeiten am Tag, Heu und Stroh. Gerne fressen sie auch Rüebli oder Salat und manchmal, wenn es niemand bemerkt, bringe ich ihnen eine Birne oder sogar ein Stück Ananas aus der Küche mit, das mögen sie sehr. Oftmals können sie auch auf eine der vier Weiden, wobei sie da lieber fressen als rum zu springen.

Mein grösster Traum ist es, mit Eloise mal an einem Strand entlang zu galoppieren. Letztes Jahr waren Lena und ich mit unseren Müttern auf der Route du sel unterwegs, von der Schweiz aus zur Salzsaline in Salins les Bains. Und deshalb hat Eloise nun einen Reisepass nach Frankreich. Der ist noch bis 2013 gültig, wer weiss, vielleicht schaffen wir ja bis dann die Reise ans Meer.
 
Letzten Frühling absolvierte ich mit Eloise bei Carmen Zulauf das Level 1. Das hat Spass gemacht und gerne würde ich dieses Jahr das Level 2 abschliessen. Ob wir das schaffen – mal sehen, Eloise galoppiert nämlich nicht sehr gerne in der Halle.


Meine Freundinnen verstehen manchmal meine Mulibegeisterung nicht so ganz. Sie finden, ein Pferd mit wallender Mähne sieht viel schöner aus als meine Eloise, die beim Reiten oft die Zunge rausstreckt oder deren Bauch von hinten so dick aussieht. Wenn ich ihnen dann erzähle, dass Napoleon schon wusste, dass in brenzligen Situationen ein Muli viel verlässlicher ist, oder wenn sie erfahren, dass ich mit Eloise schon über die Gemmi ritt, dann staunen sogar sie.

Auf alle Fälle kann ich von Eloise noch viel lernen. Wir gehen zusammen durch dick und dünn und teilen uns sogar das Znüni.


März 2013, Thea Stucki

Texte rechts
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