Horath Monica
  1. Horath Monica, Wallmatt, 6042 Dietwil. 
    Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit drei verschiedenen Tätigkeiten: 
    Zum einen stehen in meinem Stall vier Pensionspferde, die ich betreue (misten, füttern etc.), zum anderen erteile ich Reitunterricht an Reiterinnen mit eigenen Pferden. Dazu fahre ich jeweils auf deren eigenen Reitplätze. Bidana, mein Maultier, verdient ihr Futter mit einigen Longenstunden, Anfängerunterricht und begleiteten Ausritten. 
    Mein drittes „Standbein“ ist ein Architekturbüro, auf welchem ich allgemeine Büroarbeiten ausführe.
  2. Bidana ist jetzt 12 Jahre alt. Sie stammt vom Eselhengst Bitonto ab, Mutter Diana war eine Schweizer Warmblutstute. Weil diese Stute vom Warmbluthengst nicht mehr tragend wurde, liess sie der Besitzer „aus Jux“ mit einem Eselhengst decken. Und siehe da – es klappte auf Anhieb. Ich habe Bidana als Fohlen gekauft, weil sie so „herzig“ war.
    Damals war ich mir noch nicht bewusst, was das noch alles nach sich ziehen würde. Sie durfte zusammen mit Gleichaltrigen auf einer grossen Fohlenweide aufwachsen. Im Alter von drei Jahren ist sie in meinen Stall gekommen. Mit Bodenarbeit und auf Spaziergängen haben wir uns näher kennen gelernt. Danach habe ich sie nach klassischer Reitweise angeritten und ausgebildet. Die ersten zwei Jahre habe ich sie Barfuss geritten. Aber nachher musste ich sie beschlagen lassen, da sie die Hufe zu stark und zu einseitig abgelaufen hatte. 
    Nach anfänglichen Schwierigkeiten (ich meinte, dass man ein Maultier wie ein Pferd ausbilden könnte!), entwickelte sie sich aber nach und nach zu einer echten „Allrounderin“. Sie ist für die verschiedensten Aufgaben geeignet: 
    Dressur, Springen, Gelände, als Lehrmuli für Anfänger und Fortgeschrittene, Patrouillenritte, Gymkhanas, TREC.
  3. In meinem 180 Jahre alten Bauernhaus leisten mir die Katzen Pringel, Simba und Salsa Gesellschaft. Ich musste sie mit der Milchflasche aufziehen, da ihre Mutter, als sie zwei Wochen alt waren, von einem Auto überfahren wurde. Meine drei Büsis bedeuten mir sehr, sehr viel. Draussen schaut Kater Tito, dass sich die Mäuse und Spatzen nicht allzu sehr vermehren.
    Ein wichtiges „Familienmitglied“ ist Lars. Ich habe ihn vor knapp drei Jahren gekauft. Er ist  jetzt sechs Jahre alt und verbringt den Tag zusammen mit Bidana auf dem gemeinsamen Auslauf und die Nacht als ihr Boxennachbar.
    Er ist immer darauf bedacht, sich nicht zu weit von ihr zu entfernen. Jenach Bedarf nehme ich Lars oder Bidana beim Ausreiten als Handpferd mit. Die beiden verstehen sich sehr gut, wobei Lars ganz klar der Chef ist. Beim Züchter hat Lars als Dreijähriger erfolgreich an Promotions-Fahrturnieren teilgenommen, als Vierjähriger klassierte er sich für den Dressur-Freibergerfinal in Avenches. Als nächstes Ziel werde ich ihn, zusammen mit Elik, dem Freiberger von einer befreundeten Familie, vor die Kutsche spannen, damit wir gemeinsame Ausflüge unternehmen können.

  4. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Erteilen von Reitunterricht. Man kann also diesbezüglich schon sagen, dass ich ein Profi bin. Maultiere gibt es in meinem Umfeld (ausser Bidana) keine. Ich setze Bidana auch für Reitunterricht ein, vor allem für Anfänger. Da sie sehr ruhig und verkehrssicher ist, nehme ich sie oft mit ängstlichen oder ungeübten Reitern als Handmuli mit ins Gelände. Wenn ich nicht mit Kunden unterwegs bin, ist für mich Reiten (vor allem am Wochenende) immer noch mein liebstes Hobby.
  5. Da ich insgesamt sechs Tiere zu versorgen habe, bin ich pro Tag ca. zwei Stunden mit misten und füttern beschäftigt. Bidana wird fast täglich bewegt. Sie wird entweder für Longenunterricht oder begleitete Ausritte eingesetzt. Das bedeutet für sie etwa eine bis zwei Stunden Beschäftigung pro Tag (inkl. Putzen etc.). Wenn keine Kundschaft erwartet wird, reite ich sie meistens im Gelände.
  6. Da ich als „Wanderpredigerin“ Reitunterricht erteile, bin ich ziemlich unregelmässig zu Hause. Ich habe gute Erfahrungen gemacht, nicht immer genau zur gleichen Zeit zu füttern. So sind die Pferde ruhiger und warten geduldig aufs Futter. Auch wenn ich etwas später komme, gibt’s keinen „Radau“. Sie freuen sich dann nur noch umso mehr. Ich füttere 4x täglich, d.h. morgens ca. 7.00 Uhr (im Sommer 5.00 Uhr), mittags, abends und in der Nacht. Den Nachtstall mache ich frühestens um 22.00 Uhr. Dabei gibt es viermal Heu und zweimal Kraftfutter. Bidana bekommt täglich ca. 1.5 kg ganzen Hafer und Mineralstoffe.
  7. Bidana verbringt den Tag zusammen mit dem Freiberger Lars auf einem grossen Auslauf mit Unterstand oder auf der Weide. Sie wird drei- bis viermal pro Woche im Gelände geritten. Besonders gut eignet sie sich als Longenmuli für Anfänger.
    Mit Bidana kann man die Ausritte so richtig geniessen, da sie weder scheut, noch davonrennt. Man muss sie jedoch immer wieder zum “Vorwärts Marschieren“ aufmuntern. Ich nehme mit ihr auch an Patrouillenritten teil, wo sie alle Aufgaben mit sehr viel Geduld löst und weder Büchsengerassel noch Flattervorhänge scheut. 
    Was nicht so ihr Ding ist, sind die Mulirennen. Sie hat dafür zu wenig Ehrgeiz und auch keine Lust, hinter den anderen her zu rennen. Sie wurde noch nie eingespannt und der Bastsattel liegt unbenutzt auf dem Estrichboden!
  8. An Bidana schätze ich besonders ihre Umgänglichkeit. Sie ist mit allen Menschen sehr freundlich und im Gelände äussert zuverlässig. Es macht ihr nichts aus, mit verschiedenen Reiterinnen und Reitern unterwegs zu sein.
  9. Früher habe ich sehr viele junge Pferde ausgebildet. Ein Maultier auszubilden war für mich um einiges schwieriger. Man muss viel mehr Geduld, Ausdauer und Zeit haben. Das Maultier ist aber im Unterschied zum Pferd ruhiger und weniger schreckhaft. Die ausserordentlichen Fähigkeiten des Maultiers kommen vor allem im Gebirge durch seine Trittsicherheit zur Geltung. Wer noch nie Erfahrungen gemacht hat mit einem Esel oder Muli, dem würde ich vor einem Kauf eine Art „Praktikum“ bei einem Muli-Halter empfehlen. Abraten von der Mulihaltung sollte man denjenigen, die meinen, ein Muli sei völlig anspruchslos und könnte problemlos ohne Vorkenntnisse oder Ausbildung geritten und gefahren werden oder deren höchstes Ziel ist, mit viel „Action“ durch die Gegend zu rasen
  10. 1995, kurz nach dem Kauf von Bidana, bin ich der IGM beigetreten. Ich hatte keine Ahnung von Maultieren. Anfangs eher als „passives“ Mitglied, hat sich erst nach dem Eintritt in den Vorstand in meinem Leben viel verändert. Jetzt erst musste ich mich mit den Eigenarten und der Entwicklung des Maultieres befassen. Das Interesse wurde in zahlreichen Begegnungen mit den verschiedensten Muli-Menschen erst richtig geweckt. Nach und nach habe ich immer mehr über die Maultiere erfahren und so mein Wissen erweitert. Zahlreiche Stunden beschäftige ich mich mit dem Verfassen des Mitteilungsblattes. Auch die Mitarbeit im Vorstand nimmt viel Zeit in Anspruch. Dank dem guten Verhältnis untereinander gibt es dadurch interessante und abwechslungsreiche Begegnungen.
  11. Über Bidana und mich gibt es keine spektakulären Geschichten zu erzählen. 
    Ungewöhnlich ist vielleicht, dass sie wirklich für alle Sparten der Reiterei eingesetzt werden kann, und dass sie mit ihren 164 cm auffällig gross ist. Die Zuverlässigkeit von Bidana, ihre Sanftheit gegenüber ängstlichen und ungeübten Reiterinnen, machen sie zu einem aussergewöhnlichen Maultier
  12. Die IGM habe ich an der BEA/Pferd kennen gelernt. Im Jahr 2004 haben wir in Elgg an einer Prüfung für Freiberger und Maultiere teilgenommen.

Leider musste Bidana anfangs 2013 infolge gesundheitlicher Probleme eingeschläfert werden. Sie hat viele Kinder und Erwachsene ein Stück im Leben begleitet. Mit ihrem sanften Wesen hat sie ihnen beim Reiten und im Umgang das notwendige Vertrauen vermitteln können. Ihre Ausbildung war für mich als „Pferdemensch“ eine echte Herausforderung und ein Lernprozess, den ich als eine Art Lebensschule einstufen möchte. Sie wird bestimmt in vielen Köpfen als aussergewöhnliches Muli in Erinnerung bleiben. Dezember 2013, Monica Horath
Texte rechts
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