Porträt Felicitas Stähli

Ich heisse Felicitas Stähli und wohne mit Hansruedi Kissling zusammen auf einem Bauernhof in Suhr. Er ist Landwirt und arbeitet nebenbei in einer Baufirma im Kieswerk. Ich bin Berufsunteroffizier in der Schweizer Armee.

Unser Maultier Kalinka ist rund 18 Jahre alt. Sie ist ein sogenannter Weideunfall (Shetty x Esel). Sie gehörte meiner Schwester. Als sich unsere Eltern entschlossen, den Bauernbetrieb einzustellen und Kali weg gemusst hätte, hab ich sie ihr abgekauft. Sie soll bei mir alt werden. Bevor sie zu uns kam, war sie schon an so vielen verschiedenen Orten. Ich wollte einfach nicht, dass sie schon wieder weitergereicht wurde. 

Kalinka teilte ihr Zuhause mit einem anderen Muli, einem Esel und einem Pony. Leider mussten wir das Muli nach einem Unfall einschläfern und der Esel zügelte auf eine Altersweide. So steht sie zur Zeit „nur“ mit dem Pony zusammen.
Bei uns auf dem Hof hat es aber noch 6 Pferde, 2 Hunde, 5 Katzen, 4 Minipigs und eine wechselnde Anzahl Rinder. 

Das Maultier ist mein Hobby. Kalinka hilft mir, vom stressigen Alltag wegzukommen. Bei ihr kann ich abschalten. Wir machen Bodenarbeit und lange Spaziergänge. Sie kommt als Handmuli mit. Und sie ist – nicht negativ gemeint – Rasenmäher ums Haus.
Wie viel Zeit, ich mit ihr verbringe, ist ganz unterschiedlich. Im Sommer sind nur die 7 Pferdeboxen zu machen. Im Herbst und Frühling sind die Pferde, wenn es das Wetter zulässt, 24h auf der Weide. Und im Winter braucht’s etwas länger, weil die Rinder jetzt auch drinnen sind.

Gefüttert wird unterschiedlich. Bei schlechtem Wetter, wenn sie in den Boxen sind, füttern wir dreimal. Wenn sie draussen sind und es nicht so viel Gras hat, zweimal. Wenn im Sommer reichlich Gras vorhanden ist, sollen sie selber suchen. Mit den Zeiten sind wir flexibel. In der Wildnis gibt es auch nicht immer Punkt 12:00 Uhr zu essen. Die Tagesabläufe sind verschieden (witterungsabhängig). Wenn wir arbeiten, fangen wir im Stall um 05:30 Uhr an. Wochenende und Ferien kann’s schon mal 08:00 Uhr werden, oder später. Meistens ist Hansruedi im Stall und ich erledige die Hausarbeit. Jetzt im Winter machen wir den Stall am Wochenende meist zusammen, er die Rinder, ich die Pferde und Co.

Ich mag an Kali besonders, dass sie sehr selbständig ist. Sie denkt immer mit. Wenn man ihr mal etwas beigebracht hat, kann man es ihr auch nach einem Jahr ohne Üben wieder entlocken. Sie ist extrem lernfähig. 

Ein besonderes Erlebnis hatte ich vor vier Wochen. Ich war im Dorf einkaufen. Beide Mulis mit Tragkörben ausgerüstet. Der Hauptstrasse entlang marschierten wir Richtung Dorfladen. Einige Autofahrer hatten unseretwegen beinahe Unfälle. Beim Volg angekommen, habe ich beide ans Treppengeländer gebunden und bin einkaufen gegangen. Als ich einladen wollte, fand ich vor lauter Kindern meine Mulis fast nicht mehr. Eine Verkäuferin kam dann auch noch mit zwei Äpfeln heraus. Zurück sind wir dann durchs Dorf auf Schleichwegen. Wollte ja nicht noch schuld an einem Unfall sein... Doch an dem Morgen waren wir die Attraktion.

Auf die Interessengemeinschaft für das Maultier, der wir nun beigetreten sind, wurde ich durch das Internet aufmerksam.


Felicitas Stähli